Autismus und Erwachsensein

Seminar von Dr. Brita Schirmer am 5.April 2008

 

Am 5. April 2008 hielt Fr. Dr. Brita Schirmer, Dipl. Pädagogin, Vorstandsmitglied des „Instituts für Autismusforschung Hans E. Kehrer", Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Herausgeberin der Schriftenreihe "Autismus. Studien, Materialien und Quellen" in der Österreichischen Autistenhilfe ein Seminar zum Thema „Autismus und Erwachsensein“ ab.

Die Entwicklungsaufgaben in der späten Adoleszenz sind typischerweise das Erreichen von Selbständigkeit in Bezug auf Arbeit und Wohnen, der Aufbau eines sozialen Netzwerkes und/oder einer Partnerschaft bzw. die Gründung einer Familie. All dies stellt junge Menschen bereits an und für sich vor das eine oder andere Problem. Autisten haben es hier – berührt dies alles doch großteils ihre Schwächen hinsichtlich Kommunikation – noch viel schwerer und bedürfen der Unterstützung.

Ziel ist die Hilfe, diese Aufgaben soweit wie möglich zu erfüllen, das bedeutet eine Hinführung zu der für die oder den Betroffenen speziell geeignete Lebensweise. Der Bogen der Möglichkeiten spannt sich vom Wohnen im Heim über betreutes Wohnen bis hin zu selbständigem Wohnen.

Das Wohnen bei den Eltern hat sicher sehr viele praktische Vorteile, aber es wirft eine große Frage auf: „Was wird, wenn wir nicht mehr sind?“, da Eltern in der Regel vor den „Kindern“ sterben. Deshalb ist es ein anzustrebendes Ziel, für diesen Fall in irgendeiner adäquaten Weise zumindest vorzusorgen oder den betroffenen Sohn bzw. die betroffene Tochter langsam darauf hin zu führen.

In anschaulichen – auch filmisch untermalten - Beispielen und unter angeregter Diskussion unter den Teilnehmern/Teilnehmerinnen wurden diverse Möglichkeiten durchgegangen.

Die einzelnen Punkte im Überblick kann man sehr gut dem Handout entnehmen. (Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Brita Schirmer).

Weiters findet sich darin eine Liste von Fähigkeiten, die zur Selbständigkeit erforderlich sind. Wenn man die einzelne Punkte durchgeht, sie mit „+“ oder „-„ bewertet (je nach vorhandenen Fähigkeiten der betroffenen Person, bzw. ein T für tlw. vorhanden, so kann man in einem zweiten Schritt dort ansetzen, wo sich bereits ein T befindet, um diese Teilfähigkeiten auszubauen und zu stärken. Als nächster Schritt käme dann die Frage, wie man nicht oder nur teilweise vorhandene Fähigkeiten eventuell durch externe Hilfen ersetzen könnte. Durch eine solche Vorgehensweise kann man die Unterstützung zum Erwachsensein Schritt für Schritt - und der jeweiligen Schwere der Behinderung angepasst - vornehmen.

Ich denke, dass jeder, der einen autistischen Sohn oder eine autistische Tochter hat und somit vor diesen Problemen steht bzw. stand oder der mit autistischen Menschen sonst zu tun hat, von diesem lebend gestalteten, informativen Seminar in großem Maße profitiert hat.

Weiteres zu Fr. Dr. Schirmer finden Sie auf Ihrer Webseite: http://www.dr-brita-schirmer.de